Zuweilen jedoch nahm er mit Bedacht einen jener Porzellanbehälter, die ausschließlich Engelsmotive zierten und die ein wenig abseits, ganz am äußersten Rande plaziert waren. Von zu Hause hatte Laszlo eine rote Plastikflasche mitgebracht, wie sie von Radrennfahrern verwendet wird, und diese Flasche befand sich immer in seiner Reichweite. Ab und an, wenn er unbeobachtet war, drückte er aus jener Flasche wenige Spritzer einer klaren Flüssigkeit in die abseits stehenden Tassen - nur in jene mit den Engelsmotiven! Dies geschah so unauffällig, daß ein zufälliger Beobachter annehmen mußte, es handele sich um ein Spülmittel. Selber trank Laszlo den Glühwein nicht.
Es war gegen 18 Uhr, die beiden Männer hatten alle Hände voll zu tun, denn soeben war eine Gruppe junger Leute mit Sporttaschen in den Händen eingetroffen, die sich vor dem Nachhauseweg noch einen schnellen Trunk genehmigen wollten. Laszlo schenkte aus, Harry kassierte.
Da näherte sich dem Stand ein älteres Ehepaar, beide hatten aufgrund der Kälte rote Nasen, trugen Wollhandschuhe, und beim Ausatmen verließen dünne Dampfschwaden ihre kalten Münder. Die Frau bestellte zwei Tassen, und während Laszlo die beiden durch die beschlagene Scheibe eingehend musterte, faßte seine Rechte wie selbstverständlich nach zwei der abseitsstehenden Engelsmotiven. Er schenkte voll ein, schob die Tassen behutsam zu dem Paar hinüber. Die Frau bedankte sich, beide nahmen sofort, beinahe gierig, einen Schluck des heißen Weines, schauten strahlend auf Laszlo und nickten anerkennend.
„Hm, das tut gut! Das ist der beste Glühwein, den ich seit langem getrunken habe“, bemerkte die Frau begeistert, und während ihr Gatte bezahlte, fügte er noch an: „Das Aroma ist wirklich besonders fein. Wie haben Sie den gewürzt? Sicher ein Geheimnis. Oder?“
Laszlos Gesicht zeigte nicht die Spur einer Reaktion, er enthielt sich jeglichen Kommentars das ‚feine Aroma’ betreffend. Die beiden älteren Herrschaften stellten sich an einem der runden Tische in eine Lücke zwischen die Menschen, setzten ihre heißen Tassen ab, umklammerten sie dennoch weiterhin mit ihren Wollhandschuhen und unterhielten sich angeregt.
Der Betrieb an der Theke ging weiter. Das Geschäft blühte, die beiden Männer schafften es nur mit Mühe, die immense Nachfrage zu befriedigen, Grund war die extreme Witterung. Der Gehilfe mit dem slawischen Akzent beobachtete alle Ankommenden genauestens, und wenn er die passende Gelegenheit für gekommen hielt, griff er fast automatisch nach den Tassen mit den Engelsmotiven. …
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