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… 
Am heutigen Tag wäre beinahe der komplette Stammtisch in diesem Weiher ums Leben gekommen, dachte er. Durch einen Bus, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit manipuliert worden war. Der komplette Stammtisch! Bis auf Horst, der nicht mitgefahren war.
„Und unser Horst, der weiß noch nichts von seinem Glück“, reichte Bernd noch seinen Gedanken nach. „Der sitzt mit Helen bei seiner kranken Schwiegermutter und tätschelt ihre Hand. Der Glückliche.“
„Bei seiner Schwiegermutter?“ fragte Walters Gattin Edith verwundert von der gegenüberliegenden Seite des Raumes. „Die ist doch vor drei Jahren gestorben!“
„Was? Aber mir hat er doch erzählt ...“ weiter sprach Hermann nicht. 
Trotz seiner Schwäche hatte er die Gespräche interessiert verfolgt und war auf dem besten Wege sich zu erholen. Seine glänzenden Augen fanden Edith, verwirrt starrten sich die beiden an, und ihre Blicke suchten die der Freunde. Aber keiner sprach ein Wort, niemand wagte diesen Umstand zu deuten.
Bernds Armbanduhr zeigte halb zwei, und plötzlich verspürte er Hunger.
„Will man uns hier verhungern lassen?“ rief er provokativ in Richtung Tür; nichts geschah.
Er erhob sich von seinem Lager, schon wieder die Vitalität in Person, und tappte barfuß zur Tür. 
„Wo willst du denn hin in deinem Aufzug?“ fragte seine Frau Sabine amüsiert, als Bernd unter dem hinten nicht ganz geschlossenen weißen Kliniknachthemd seinen Rücken präsentierte - und was sonst noch zu sehen war. 
„Ich hole jetzt Verpflegung.“ Damit war er aus dem Zimmer.
Nach weniger als 10 Minuten wurde die Tür geöffnet, Bernd kehrte zurück, ein großer Wagen wurde herein geschoben, und unversehens duftete der ganze Raum nach warmen Speisen.
„Wir hätten Sie beinahe vergessen“, kam es verlegen aus dem Mund einer Schwester, und Felix sah seine Frau Helga an. Beiden fühlten sich auf eine merkwürdige Weise an ihren letzten Krankenhausbesuch erinnert, bei dem er beinahe verblutet wäre. Unter ärztlicher Aufsicht.
„Erst ersaufen … anschließend verhungern.“
Leise aber vernehmbar hatte Edith gesprochen, die Köpfe aller Anwesenden drehten sich langsam in ihre Richtung, und ein sonderbares Einvernehmen zeigte sich in den Gesichtern der Freunde. Davon unbeeindruckt schnupperte Edith mißtrauisch an der Speise vor sich auf dem Teller.
Als die Mahlzeiten an den Betten standen, erwachte auch der letzte Schläfer. Auf jedem Tablett sah man ein kleines Porzellanschälchen mit zwei Tabletten darin. …
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