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   Nachdem der Weihnachtsmarkt spät abends seine Pforten geschlossen hatte, der Stand aufgeräumt war und Laszlo sein Honorar erhalten hatte, verabschiedete er sich von Harry. Auf dessen Frage, ob er morgen wieder kommen würde, nickte er beiläufig und verschwand; in seiner Tasche ertasteten seine Finger die rote Plastikflasche.     

***
                                                                     
   Wie an jedem Tag, so hielt auch heute der weiße Lieferwagen vor dem Nebengebäude des Seniorenheims „Santa Anna“, der Fahrer stieg aus und wartete, bis man die Karre herausbrachte. Es war ein neuer Mann, der heute die Tour zum zweiten Mal fuhr, weil der etatmäßige Fahrer freihatte. Er besaß dunkles, lockiges Haar, eine kräftige Figur, wirkte südländisch. Schon mit einer gewissen Routine behaftet, öffnete er die Seitentür und zog die großen Aluminiumtöpfe nach vorne. Als der Helfer mit dem vierrädrigen Wagen erschien, drehte Nico ihm den Rücken zu und erwiderte leise dessen Gruß. Sie luden die Töpfe auf, brachten sie hinein und wurden von den hungrigen Heimbewohnern schon erwartet; Nico hatte sich etwas verspätet. Umso eiliger wurden die schweren Töpfe auf die Anrichte geschafft, geöffnet, und die Verteilung konnte beginnen.     
   Unauffällig verließ der Fahrer das Heim und fuhr mit dem weißen Lieferwagen die Tour zu Ende. Später brachte er ihn ordnungsgemäß zu seinem Ausgangspunkt zurück. Auch sein heutiger Auftrag war ohne Zwischenfälle durchgeführt worden. Diese Zwischenfälle traten erst später zutage.

***

„Wenn ich es nicht besser wüßte, würde ich sagen, du läufst einer fixen Idee hinterher.“
Aber sie wußte es besser. Mit der linken Hand öffnete Vera Brutus’ Halsband, der sich sofort auf Hermann stürzte, hatte er ihn doch unendlich lange - während des ganzen einstündigen Mittagsspaziergangs mit Frauchen - nicht gesehen. Hermann umfaßte den Nacken des anhänglichen Tieres und ließ sich das Gesicht ablecken. Der Hund brachte etwas Kälte von draußen mit ins Zimmer.
Vera hängte ihre warme Winterjacke in die Garderobe. Sie konnte ihren Mann nur zu gut verstehen, wenn er sich tagtäglich in die Zeitungen vertiefte, intensiv nachforschte, ausgrub, wenn er zum Telefonhörer griff, um sich weitere Details zu besorgen, wenn er alles akribisch sammelte, und wenn er, was nicht verwunderte, immer häufiger mit ihr darüber sprach.
   Hermann war verzagt. …
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