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…  Rüdiger war der erste, der, noch etwas verschlafen, die Schwester nach der Bedeutung der Pillen fragte.
„Das ist ein Sedativ“, erklärte sie ihm fachmännisch.
„Und warum bekommen wir das?“ ließ Rüdiger nicht locker. 
Niemals hätte er einem Patienten, der an Unterkühlung litt, ein Sedativum gegeben.
„Das ist ein Beruhigungsmittel.“
„Ich weiß, was das ist“, erwiderte Rüdiger irritiert, sagte aber nichts mehr, bis die Schwester den Raum verlassen hatte.
Danach stand er auf, ging zu jedem einzelnen hin, untersuchte die Tabletten und sammelte sie ein. Alle hatten sie die gleichen erhalten, bis auf Bernd, der leer ausging. Rüdiger legte alle Pillen in sein Schälchen. Die fragenden Blicke, die auf ihn gerichtet waren, konnte er nicht ignorieren.
„Einem Menschen“, begann er, „der an Unterkühlung leidet, und das tun wir alle, mehr oder weniger, gibt man kein Beruhigungsmittel. Im Gegenteil! Kaffee, jede Menge, um den Kreislauf in Gang zu halten! Und diese zweite Pille hier“, damit nahm er eine in die Hand, „ist ein Blutdrucksenker. Die darf man uns schon gar nicht verabreichen. Es sei denn…“ Seine Augen suchten die von Hermann, und ein Gefühl beschlich ihn, als triebe man einen heißen Draht durch sein Rückenmark. „Es sei denn - man will uns schaden…“
Was geschieht hier? dachte er alarmiert. Eben diese stumme Frage hatte er sich schon einmal gestellt. Als er von der haarsträubenden Behandlung seines Freundes Felix in jener Klinik erfuhr.
   Das Essen war nicht mehr ganz warm, aber genießbar, rief jedoch bei keinem den Wunsch nach einem Nachschlag wach.
„Mich zum Beispiel beschäftigt die seltsame Frage, warum ausgerechnet du keine Tabletten bekommen hast, Bernd“, sinnierte Rüdiger später, nachdem eine Angestellte das Geschirr hinausgebracht hatte. 
Darauf wußte der Angesprochene nichts zu erwidern. Plötzlich erhob sich Rüdiger erneut und verließ den Raum. Nach wenigen Augenblicken war er zurück und erklärte den Freunden, daß in einer halben Stunde vier Taxen vor der Klinik warten würden.
„In die steigen wir ein“, sagte er entschlossen, und es klang wie ein Befehl, „und hauen hier ab! Mit oder ohne unsere Klamotten. Wie geht es dir, Hermann?“
Hermann fühlte sich schon wieder recht passabel, er saß im Bett und war mit dem Vorschlag Rüdigers sogleich einverstanden.
„Weshalb plötzlich diese Eile?“ wollte Walters Gattin wissen.
„Weil wir hier nicht sicher sind!“ eröffnete Rüdiger ihr seine Überlegungen. …
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