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…  Dazu beigetragen hatte weniger die Nachricht, daß an jenem Reisebus, der so unglücklich in dem Weiher landete, tatsächlich manipuliert worden war, als vielmehr der Umstand, daß es ganz offenbar nicht gelingen wollte, jemanden dafür verantwortlich zu machen. Selbst Bernd, der seine durchaus guten Beziehungen spielen ließ, war es nicht vergönnt ein Ergebnis vorzuweisen, und das nagte an seinem Stolz, wie er freimütig bekannte. Zweimal hatte er das Unternehmen aufgesucht, bei dem der Bus gemietet worden war, hatte sich in der Werkstatt umgesehen, mit Beschäftigten gesprochen - vergebens. 
   Nicht alleine dieser merkwürdige Zufall, der ihren Freund Horst und dessen Gattin Helen bei dem Unfall auf so wundersame Weise verschont hatte, legte sich bei Bernd aufs Gemüt, sondern beinahe mehr noch die Tatsache, daß die beiden beim letzten Stammtisch nicht zugegen waren. Der Kriminalist in ihm begann bereits zu arbeiten, Zusammenhänge herzustellen; der Freund in ihm verbot es ihm jedoch sofort. Auch für Hermann war diese Geschichte mit der vermeintlichen Schwiegermutter nicht verständlich. Horsts Telefon wurde nicht abgehoben, es schien tatsächlich niemand zu Hause zu sein.
   Der gesamte Tisch in Vera und Hermann Odendahls Wohnstube war mit alten Zeitungs-Ausschnitten übersät, Hermann wieder tief versunken in fesselnder, in unglaublicher Lektüre. Was dort zu lesen stand, war für ihn Anlaß aufzustehen und sich einen Kirschlikör einzuschenken; für Vera stellte er ebenfalls ein Gläschen auf den Tisch. Mit erwartungsvollen Augen trat sie näher, nippte am Likör, Hermann bat sie neben sich auf die Couch, und gemeinsam lasen sie nun das Unbegreifliche. 
In mehreren deutschen Großstädten hatte sich eine Reihe von mysteriösen Todesfällen ereignet. Betroffen waren ausschließlich Männer und Frauen jenseits des Pensions- oder Rentenalters. Die meisten starben in Kliniken, einige wenige daheim. Die Arbeit der Mediziner und der Gesundheitsämter kam nur schleppend voran, und heute, Wochen danach, wußte man lediglich, daß für das Dahinscheiden der zahllosen älteren Menschen eine hochkonzentrierte Substanz verantwortlich war, die sich im Knollenblätterpilz findet. 
Eine Substanz, die nicht sofort nach der Einnahme wirkte, sondern Stunden später, zuweilen erst nach Tagen. An Heimtücke nicht zu übertreffen, weil geruch– und geschmacklos, zeigte der Wirkstoff jenes Pilzes seine fatalen Folgen erst, wenn es bereits zu spät war, wenn sich die Vergiftung schon im Körper, im Blut ausgebreitet und Nieren und Leber schwer geschädigt hatte. …
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