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…  Es war ein Geschäft. Ein schmutziges zwar, aber wer konnte sich in der heutigen Zeit schon Skrupel leisten? Horst und Helen gewiß nicht. 
   Und so würden auch heute zahlreiche Adressen von ‚lukrativen Kandidaten’ in Grabows Hände wandern, und damit war deren Schicksal besiegelt. Pro Adresse erhielt Horst normalerweise zwischen 5000.- und 8 000.- Euro, manchmal etwas mehr, je nach ‚Marktwert’ der Person. Dieser Wert wiederum richtete sich nach der Höhe des Ruhegeldes. In aller Regel zwei Monatseinkünfte. 
   Durch Grabows Aktivitäten gelangten diese über ein ganzes Leben angesparten Bezüge nicht zur Auszahlung, verblieben bei den Rentenversicherungen, in den Pensionskassen oder im Staatssäckel, und niemand sonst hatte Anspruch darauf. Ruhegelder waren nicht an die  Kinder vererbbar! Es ging um Milliardenbeträge, um Summen, die vom bankrotten Staat längst anderweitig ausgegeben worden waren, die vielfach gar nicht mehr existierten; nur noch auf dem Papier.
Gerade hielt Horst die Unterlagen seines Freundes Walter in Händen. 7 000.- würde er für ihn und seine Frau Edith nach deren Beseitigung bekommen; er zählte zu den Besserversicherten. Das war zwar erheblich weniger als er bei einem ‚erfolgreichen Busunglück’ für sie erhalten hätte, aber dafür brauchte er jetzt keinen Finger zu rühren. Horst überflog die Police flüchtig, und mit einem bedauernden Lächeln dachte er: Es hat dir nichts genützt, Walter. Gar nichts. 
„Was macht ihr eigentlich mit denen, die nicht in einer Klinik sterben?“ richtete Horst unvermittelt die Frage an Grabow.
Der leerte genüßlich sein Glas, atmete hörbar aus und blickte Horst ernst an.
„Wollen Sie es wirklich wissen?“
Ein wenig überrascht nickte Horst, unschlüssig, ob er es tatsächlich in Erfahrung bringen wollte. Grabow dachte kurz nach, ehe er Auskunft gab und erhob sich.
„Die werden auf die eine oder andere Art verschwinden. Entweder werden sie Opfer einer Gewalttat oder eines Verkehrsunfalls. Für besonders hartnäckige Fälle, für diejenigen, die ihre Nase zu weit in unsere Angelegenheiten stecken, haben wir allerdings noch einiges in petto. Die Beschreibung dessen möchte ich Ihnen beiden lieber nicht zumuten.“
   Daraufhin legte er die versprochenen 6 000.- Euro in bar auf die steinerne Tischplatte und schaute erwartungsvoll auf Horst. Der griff in seine Akten, und mit großem Interesse nahm Grabow letztlich alles in Empfang, was Horst ihm an Papieren reichte und verstaute es in seinem Aktenkoffer. …
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