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Als Gerüst dienten massive Eichenbalken. Deren hellbraune Farbe durchzog das gesamte Gebäude. Sie bildeten sowohl die Eckpfosten als auch den Deckenrahmen, reichten hinauf bis zum Dachfirst, trugen sogar die Last des feuerroten Ziegeldaches, des einzigen Gebäudeteils, abgesehen vom Kamin, der nicht aus Holz hergestellt war. Neben den Fenstern hingen die hölzernen Läden, im selben Rot gestrichen wie die Dachziegel. Als hätte ein Künstler all seine Inspirationen einfließen lassen, so malerisch stand das Häuschen dort drüben, ein Blickfang für jeden der vorüber ging.    
   Der dunkelhaarige Mann im Auto trug einen Kopfhörer, und sein markantes Kinn schob sich unter dem Einfluß harter Rockrhythmen vor und zurück. Seine Augen schienen ins Leere zu stieren, so stark hatte ihn die Musik im Griff. Nico war auf eine lange Wartezeit eingestellt, sein Vorrat an CDs ausreichend. Im Vergleich zu der strengen Kälte draußen war es im Innern des Wagens beinahe gemütlich. Sogar an Verpflegung hatte er gedacht, zwei Styroporbehälter von McDonalds standen auf dem Beifahrersitz, auf der rechten Fußmatte lag zusammengedrückt ein leerer Colabecher. 
Einen der Hamburger hatte Nico bereits gegessen, den zweiten zur Hälfte, als er innehielt und den verbliebenen Rest des Hamburgers aufklappte. Mit Daumen und Zeigefinger riß er ein Stück des Hackfleisches ab und legte es in den Kunststoffbehälter zurück; daraufhin klappte er das Brötchen zusammen und stopfte sich den Happen in den Mund. 
In aller Ruhe holte er aus dem Handschuhfach ein kleines, weißes Plastikfläschchen und stellte es ebenfalls in den Styroporbehälter. Daraufhin zog er sich Wollhandschuhe an. Behutsam schraubte er das weiße Fläschchen auf, spritzte ein paar Tropfen davon auf den Minifleischklops und verschloß es augenblicklich wieder, bevor es ins Handschuhfach zurückwanderte. 
   Von ferne näherte sich ein Fahrzeug. Der Mann im Escort war sofort hellwach, und mit der Rückseite seiner linken Hand befreite er den unteren Teil der Windschutzscheibe von dem Wasserdampf, der sich dort niedergeschlagen hatte. Als der Wagen von Walter und Edith vors Haus fuhr, schaltete Nico den Motor ab, stieg aus, öffnete die Kühlerhaube und beugte sich tief über den Motorraum. Mit der flachen Hand schlug er mehrere Male kräftig auf den Luftfilter, das dumpfe Klatschen drang über 50 Meter weit, bis hinüber zum Försterhaus. 
Walter und Edith waren ihrem Auto entstiegen, standen unter der Laterne vor ihrem Grundstück, sahen zum Escort herüber und bemerkten die Verzweiflung des fremden Mannes. …
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