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…  Einen Moment zögerte Walter, machte sich dann aber doch auf den Weg hinüber zu Nico, ihm seine Hilfe anzubieten. Max war von der Rückbank gesprungen, überholte sein Herrchen, jagte dem Fremden schwanzwedelnd entgegen und hechelte seinen feuchten Atem in die Winterluft.   
Nur für Sekunden hatte Nico seinen Platz verlassen, das Fleisch vom Sitz genommen, war zum Motorraum zurückgekehrt und hielt es nun in seiner linken Hand, den Blick wieder starr auf den Motor gerichtet. Er fürchtete sich nicht vor Hunden. Schon spürte er den Dalmatiner neben sich, drehte leicht den Kopf und sah Max aufgeregt an seiner Seite stehen; dessen Herrchen war noch weit. Wie von einem Magneten angezogen hatte Max das Fleisch in der Hand des Unbekannten aufgestöbert, schnupperte interessiert, und Nico ließ es geschehen, daß Max es erwischte und augenblicklich hinunterschluckte. Der dünne Schweif des gefleckten Hundes drückte für diesen freundlichen Fremden unverhohlene Sympathie aus. 
Walter traf nun ebenfalls ein, sah seinen Hund freudig neben dem unbekannten Manne stehen und fragte, ob er helfen könne. Aus Nicos Kopfhörern dröhnte Heavy Metal ohne Ende, kaum, daß er Walters Frage richtig begriff. Er deutete mit der Hand auf den Luftfilter und sagte in gebrochenem Deutsch:
„Muß abschleppen. Mistkarre!“ 
Walters Verständnis für Technik beschränkte sich auf das Instandhalten des Rasenmähers und seiner Flinten, daher machte er gar nicht erst den Versuch, die Ursache dieser Panne zu ergründen.
„Soll ich eine Werkstatt anrufen?“ fragte er hilfsbereit.
Der Fremde nickte.
„Werkstatt gutt.“
Damit schloß er geräuschvoll die Motorhaube, setzte sich auf den Kotflügel und schlug die Arme übereinander. Walter begab sich auf den Weg zum Haus, wartete jedoch vergeblich auf Max. Er blickte zurück und sah, wie der sich erhobenen Hauptes vor den Fremden gesetzt hatte, in Erwartung eines erneuten Leckerbissens; der Schweif verriet seine Anspannung. 
Es war kurz vor fünf, Ende Januar, fast dunkel, bitter kalt. Walter wollte den hilflosen Fremden, den Max so schnell, so innig in sein Herz geschlossen hatte, nicht in dieser klirrenden Kälte stehen lassen. Er lief zurück und bat ihn ins Haus, Nico folgte nur zu bereitwillig. Max lief nebenher, seine Nase wie festgeleimt dicht an Nicos Hand, denn dessen Wollhandschuh duftete noch immer so verführerisch.
Edith, die bereits im Flur stand, wollte ihr Mißtrauen nicht verhehlen, schaute stumm von Nico zu Walter, der sie aber sogleich beruhigen konnte. …
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