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„Für die beiden Beckers kann ich ihnen trotzdem … sagen wir 6 000.- geben“, lenkte Grabow ein. „Mehr nicht. Schließlich müssen jetzt andere Ihre Arbeit vollenden. Aber die Einsparungen bei jenem Ehepaar sind enorm.“
„6 000? Das ist ein Witz“, seufzte Horst resigniert.
„Horst. Sie sind ein zuverlässiger Vertraulicher Mitarbeiter. Sie hätten die volle Pauschale von 60 000 von uns erhalten, für jeden von denen 6 000, wie vereinbart. Aber so? Sie sind in der Versicherungsbranche tätig gewesen, Sie wissen doch selbst am besten, wie das läuft.“
Längst hatte Horst eingesehen, daß Grabows Argumente die besseren waren, alles Lamentieren half nichts. Er mußte jetzt einfach dranbleiben, mußte weitere Informationen an Grabow liefern, damit der die Liquidierungen in die Wege leiten konnte.  
Horst verließ kurz das Zimmer und kehrte mit einem dicken Aktenordner zurück, setzte sich auf einen Sessel unmittelbar neben Grabow und begann, Namen und Adressen herauszusuchen. Über dreißig Jahre hatte er seine Kunden betreut, er wußte wirklich alles über sie. Kannte ihre Familienverhältnisse, ihre Finanzen, ihre Zusatzversicherungen, ihre jetzigen Bezüge, er konnte sich mühelos ausrechnen, wieviel sie ‚wert’ waren. Zusatzversicherungen besaß heute jeder, ohne sie lebte es sich nicht so angenehm. Seit mehreren Jahren schon arbeitete er mit Grabow zusammen und konnte sich nur deshalb diesen außergewöhnlich luxuriösen Lebensstil leisten. Seine eigene Altersversorgung war zwar nicht schlecht, hätte dafür aber niemals ausgereicht.  
   Mit einemmal schien die Zahl Tausend selbst für einen Versicherungsmakler seines Kalibers sehr hoch gegriffen. Zu hoch vielleicht. Für einen Arzt war es heutzutage gefahrlos, hie und da fatale ‚Kunstfehler’ einfließen zu lassen. Bei Patienten im entsprechenden Alter prüfte das ohnehin niemand nach. 
Ihm jedoch wurde es da nicht so leicht gemacht. Jeden einzelnen Infragekommenden mußte er aussuchen, überprüfen und an Grabow weiterleiten. Bisher waren es fast 350 gewesen, und die Zahl Tausend befand sich noch in weiter Entfernung. Aber er brauchte Eintausend, dringend, damit er und seine Gattin am Ende zu jenen gehörten, die verschont blieben, die diesem Schicksal entgingen. Ganz nebenbei brachte ihm die Auswahl der Opfer stattliche Summen ein, ihm und seiner Frau Helen, die über seine Tätigkeit genauestens informiert war. Daß es dabei manchmal auch um Freunde von ihnen ging, berührte sie beide in keiner Weise. …
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