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…  Ganz wohl war ihm nicht in seiner Haut, hier inmitten dieser Dschungelvegetation zu stehen, umringt von fremden Menschen, deren Sprache er nicht verstand; dazu das viele Geld. Seine unruhigen Augen suchten in den Gesichtern der Einheimischen zu lesen. Es waren fremdartige gelbe Gesichter, asiatische zumeist, mit undurchdringlichen Mienen, die keine Gemütsregung verrieten. Leichter Nieselregen hatte eingesetzt, begleitet von spürbaren Böen, welche die mittlerweile durchnässte Kleidung an die Haut der Wartenden preßten.  
Von allen Seiten sah sich Grabow beobachtet, schon bereute er seine Exkursion nach Nasau bitter. Aber sie war dringend vonnöten gewesen. Ein Boot mußte er mieten, das kostete viel Geld. Sie wollten einen ganzen Tag auf See bleiben, er und die philippinische Dame. Dafür bedurfte es exklusivster Verpflegung, natürlich die passenden Getränke, und das alles mußte bar bezahlt werden. Auf Kredit bekam man auf der Insel nichts. Nicht als Ausländer. 
Wenn nun jemand seine pralle Tasche bemerkte? Wie schnell verschwand ein Körper auf Nimmerwiedersehen im Dickicht des tropischen Regenwaldes. Unvermittelt fühlte er eine jämmerliche Angst in sich aufsteigen, vermutete in jeder der schmutzigen Hände blanke Messer, die nur darauf warteten, sich in seinen feisten Leib zu bohren. Ganz dicht stellte er sich an einen am Rand der Straße stehenden, sich schräg zur Fahrbahn hin neigenden Baum, lehnte seinen Rücken dagegen und hoffte innig, daß niemand seine große Furcht bemerken würde.
Da traten jene drei Asiaten auf ihn zu, die im Bus unmittelbar hinter ihm gesessen hatten, und deren aufgeregte Worte er wohl gehört, aber nicht verstanden hatte. Nicht anders erging es ihm jetzt. Der kleinste von ihnen plapperte munter drauf los, schien ihn etwas zu fragen. Grabow schüttelte nur seinen Kopf, versuchte ihnen zu vermitteln, daß er nichts verstand von ihrem Gebrabbel. Aber die drei ließen nicht locker, immer dichter rückten sie ihm auf den Pelz; und seiner behüteten Ledertasche. Einer versuchte gar in Grabows Hemdtasche zu greifen, was dieser sofort unterband.                                       
„Was wollt ihr von mir?“ fuhr er sie in seiner Muttersprache an. 
Verwirrt traten die drei einen Schritt zurück. Diese Sprache war ihnen ebenso fremd wie die ihrige für Grabow. Neugierig äugten die anderen Passagiere herüber, sein Schreien sorgte für Aufregung. In seiner Furcht hatte Rudolf Grabow nicht bemerkt, daß er diesen verzweifelten Ausruf auf deutsch getan hatte. …
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