Wo war das Geld? Richter Stark ließ nicht locker. Einhergehend mit dem Kursverfall waren zwar die Zahlen auf den Aktienpapieren auf der einen Seite kleiner und auf irgendeiner anderen größer geworden, das vorhandene Geld dadurch alleine jedoch nicht weniger. Wo aber war es? Niemand hatte das Geld angefaßt, dennoch war es zum großen Teil angeblich verschwunden. Diese Kernfrage beschäftigte die Untersuchungskommission ohne Unterlaß, wobei sie mehr als einmal Gefahr lief, den Bezug zur Realität zu verlieren. Als ginge die Diskussion etwa um die Frage, wie sich Zeit physisch definiert.
Ewald Stark, Bundesrichter a. D., einer der ersten aus der Reihe der Zurückberufenen und kompromißloser Leiter der Kommission in der Börse, entdeckte bei seiner Suche in den Räumen der Wertpapierabteilungen eine Spur. Sie lenkte die Aufmerksamkeit der scharfsinnigen Untersuchungskommissare auf verschiedene deutsche Großbanken, allesamt Aktiengesellschaften und mit gewaltigen eigenen Aktienpaketen an der Börse vertreten. In einem der Safes des Frankfurter Handelshauses fanden sich Hinweise darüber, daß sich im Besitz jener Banken utopische Summen befanden, welche in keinem Verhältnis standen zur schwachen Konjunkturlage, die von allen Seiten für den rapiden Kursverfall der letzten Jahre verantwortlich gemacht wurde. Die aufgespürten Summen überschritten den tatsächlichen Kurswert der Unternehmen um ein Vielfaches! Allerdings auch nur auf dem Papier.
Richter Stark witterte einen noch nie dagewesenen Kursbetrug. Unverzüglich ließ er sich die Finanzchefs jener Unternehmen vorführen, konfrontierte sie knallhart mit seinen Erkenntnissen und – nach anfänglichem Zögern räumten sie gewisse Unregelmäßigkeiten ein. Dies war, bei Licht betrachtet, äußerst euphemistisch formuliert. Im Zuge der Ermittlungen Starks stellte sich heraus, daß diese Großbanken einen Kursverfall nach dem anderen mutwillig herbeigeführt, dabei ein Vermögen gemacht, den Staat zunächst in die Abhängigkeit und hernach in den Ruin getrieben hatten. Und nicht nur den Staat. Auch ihren gutgläubigen Geschäfts- und Privatkunden hatten besagte Geldinstitute dubiose Papiere zu verlockenden Zinssätzen angeboten, mit leichtem Risiko behaftet. …
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