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…  Grabow holte tief Luft, machte sich bereit unterzutauchen, wenn der Rumpf zu nahe kommen sollte.
Mit kalten dunklen Mandelaugen schaute die Frau am Steuerrad auf den Kerl im Wasser, lenkte das Boot weiter auf ihn zu, Grabows mächtiger Körper war nicht zu verfehlen. Noch zehn Meter, noch acht. Plötzlich schob sie entschlossen den Gashebel nach vorne, drehte am Rad, und während das Schiff in einem eleganten Bogen beschleunigte, schickte es eine große Welle zu Grabow hinüber und entfernte sich rasch. Ungläubig glotzte ihm der Mann im Wasser hinterher. Er sah das kleiner werdende Heck, die nackte Frau darauf, sah ihr glänzendes Hinterteil, später nur noch die schäumende Gischt, aufgewirbelt vom starken Innenbordmotor. 
Eine Minute später war Grabow alleine. Mit sich und seinen Gedanken, die um das Rätselhafte kreisten: Wieso hatte sie das gemacht? Wo war sie hingefahren mit dem fremden Boot, diese Frau, von der er nicht einmal wußte, daß sie das Boot bedienen konnte? Wann kam sie zurück? Wie lange wollte sie ihn warten lassen, hier inmitten des Ozeans, wo es zwar nicht tief, aber meilenweit entfernt war von jeglichem sicheren Untergrund? Hatte sie womöglich die Kontrolle über das Schiff verloren, raste sie jetzt hilflos über den Pazifik? Wenn dem so wäre, könnte sie eine Signalrakete abfeuern, um Hilfe herbei zu holen. Aber es zeigte sich auch keine Leuchtrakete am Himmel.
Grabow atmete tief ein und schaute sich unter Wasser um. Die bunten, flinken Riffbewohner beachtete er kaum, seine Augen suchten nach Größerem, nach Gefährlicherem. Im Augenblick schien es ruhig zu sein, nur ein vereinzelter Barrakuda zog scheinbar gelangweilt seine Kreise unter ihm, aber gefährlich waren diese Fische nur im Schwarm. Grabow hob den Kopf wieder aus dem Wasser und suchte nach dem Boot, aber Maria de la Rosa, seine erotische Begleiterin, kam nicht wieder.
   Der Schwimmer hielt Ausschau nach einem Punkt, den er anvisieren konnte, den er zu erreichen hoffte. Das nächste Eiland befand sich jedoch beinahe außer Sichtweite. Nur dunkle Streifen am Horizont deuteten auf Erhebungen hin, die festen Boden unter den Füßen versprachen. Bis dorthin zu schwimmen war für ihn unmöglich. Grabow geriet in Panik. Und als ob sich sein Gemütszustand und seine Hilflosigkeit übertragen würden ins Wasser und an die Kreaturen darin: Mit einemmal schwammen zwei Barrakudas unter ihm, ein dritter schickte sich gerade an, sich zu den zweien zu gesellen, weitere folgten … 
 …
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