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…  Nadja erwiderte diese Vertrautheit mit einem Küßchen auf seine Wange, was ihn mit Stolz erfüllte, und mit Männlichkeit. Sekundenlang saßen sie schweigend nebeneinander, berührten einander nur mit Blicken, lauschten dem Atem des anderen. 
„Habe meinen Vater früh verloren“, hatte sie Hermann geantwortet, als der am vorherigen Tag wie beiläufig den bestehenden Altersunterschied der beiden andeutete, „war ein lieber Mensch. Du erinnerst mich so sehr an ihn. Er fehlt mir.“
Hermann hatte geschwiegen, denn väterliche Gefühle waren es nun nicht gerade, die ihn zu Nadja hinzogen. Im Gegenteil. Dies wollte er ihr allerdings jetzt noch nicht gestehen.  
   Seit über 30 Jahren war er nun bereits mit Vera verheiratet, und glücklich verheiratet, wie er sich immer wieder selbst versicherte. Sie liebten sich innig, waren zuweilen noch verspielt wie Kinder, auch im Schlafzimmer. Nadja aber besaß einen so aufregenden Körper, daß Hermann manchmal alles andere vergaß und seinen Blick nicht von ihren nackten Beinen lösen wollte. Was sie wiederum zu genießen schien.
In einem Reisebüro arbeitete sie, wie sie ihm erzählt hatte, ihr Dienst begann aber erst mittags. Dies war der Grund, warum sie morgens für ihn Zeit hatte; sie hatten sich bisher immer nur am Morgen getroffen. Auch ihr erstes Zusammentreffen fand am Vormittag statt. Das paßte großartig in Hermanns Konzept, war er doch für die morgendlichen Spaziergänge mit dem Irischen Wolfshund verantwortlich. Nachmittags ging Vera mit Brutus, oder sie gingen gemeinsam. 
   Die Sonne stieg auf ihrer Bahn empor, die Wärme veranlaßte Nadja, ihren Rock etwas in die Höhe zu schieben, was in ihrem Gesicht ein leichtes Erröten auslöste.
„Stört dich doch nicht, Hermann?“ fragte sie, versuchte dabei so selbstverständlich wie nur möglich auszusehen, und wie gewöhnlich wurde das H zum CH. 
Hermann schluckte. Nein, nein, das störte ihn in keiner Weise. Aufmerksam verfolgten seine Augen diese nicht enden wollenden Beine. 
„Fühl dich wie zu Hause“, kam es ein wenig heiser aus seiner Kehle. Insgeheim hoffte er, Nadja trüge diesen albernen Rock gar nicht. Dieses winzige, kaum sichtbare Etwas, das mehr offenbarte als es verhüllte.
Ohne Vorwarnung stand die Frau auf, nahm einen verrottenden Stock in die Hand und warf ihn ins Gestrüpp. Was zur Folge hatte, daß Brutus wie der Blitz hinterher jagte, dabei einen Specht aufscheuchte, ihn veranlaßte, eiligst und mit hellem Meckern die Flucht zu ergreifen. …
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