A     A     A
… 
Getrieben von einer inneren Unruhe lief Grabow zurück zur Hotelanlage, machte es sich auf seinem Liegestuhl bequem, ließ sich eines jener kühlen bunten Getränkegläser bringen und versuchte sich zu entspannen. Denn so trocken wie heute war die Luft hier auf der Insel nicht oft. 
   Seit mehreren Wochen befand er sich auf der nördlichen Insel Vanua Levu, des zweitgrößten Eilandes des Fidschi-Archipels, quasi am Ende der Welt. Aber sicher fühlte er sich deswegen nicht. Seit seiner Ankunft bestand seine Hauptbeschäftigung darin, Menschen zu beobachten. Nicht zu ethnologischen Studienzwecken, nein. Vielmehr vermutete er in jeder Person, die neu in sein Gesichtsfeld trat, sei es Mann, Frau oder Kind, einen heimlichen Beobachter, einen Verfolger. Selbst streunende Hunde blieben von seinem Mißtrauen nicht verschont.
Dabei konnte er sich absolut sicher sein, daß auf diesem Planeten wirklich niemand wußte, wo er sich aufhielt. Sofort als es brenzlig für ihn wurde, als die Todespost unterwegs war und Bernd Roth sich an seine Fersen zu heften begann, war Grabow untergetaucht. Den Flug, ein einfacher, ohne das obligatorische Rückflugticket, hatte er bar bezahlt, zudem reiste er unter falschem Namen und falscher Nationalität; die Anfertigung des Reisepasses hatte ihn eine hübsche Stange Geld gekostet. Ein Oberlippenbart veränderte sein Äußeres zusätzlich. Seine drei Mobiltelefone waren zwar stets betriebsbereit, blieben jedoch ausgeschaltet, aus Sicherheitsgründen. Mobiltelefone konnte man orten, das mußte er vermeiden. Bevor er sich auf neue Ziele konzentrierte, sollte Gras über die blutige Angelegenheit wachsen. Ziemlich hohes Gras. Grabow rechnete mit etwa einem halben Jahr, danach wollte er sich endgültig nach Südamerika orientieren. Wohlhabende Menschen waren überall willkommen, und dort in besonderem Maße. 
   Einfach war es für Grabow nicht, sich hier in der Abgeschiedenheit dieses Inselparadieses die Zeit zu vertreiben. Nach Ansicht des einheimischen Hotelmanagers hieß er Olof Lundberg, war Schwede und befand sich im Urlaub. Um diesen Eindruck zu untermauern marschierte er täglich am Strand entlang, ließ sich den Wind um die Nase wehen und kippte literweise Longdrinks in sich hinein. Den Kontakt zu anderen Urlaubern vermied Grabow, blieb den abendlichen Veranstaltungen fern, wie er es überhaupt vorzog alleine zu sein. Es wäre sicher mehr als peinlich gewesen, hätte ein Skandinavier ihn angesprochen, um festzustellen, daß er der schwedischen Sprache gar nicht mächtig war. …
Diese Seite hat mir gefallen - weiter lesen
...war OK - weiter lesen
...sollte überarbeitet werden - weiter lesen
  ◄ zurück blättern  
Beurteilen Sie den Text bitte fair.
Ihre echte Einschätzung hilft dem Autor seine Texte zu verbessern.
330 Leser seit 1. Jan. 2026 für diesen Abschnitt

Noch kein Kommentar zu dieser Seite.
Sei der Erste!
Gedankenaustausch: Hinterlasse dem Autor einen Kommentar.

Bitte Sicherheitskode links abtippen.