Stark fuhr sich mit der Hand durchs schüttere graue Haar, setzte die Brille ab und rieb sich die brennenden Augen erneut. Es war erst früher Nachmittag. Einer seiner Kommissionäre betrat den Raum, legte ihm einen Bericht auf den Schreibtisch und stellte sich abwartend neben den Richter. Auf dessen Gesicht legte sich eine Mischung aus Unglauben und Begeisterung. Genugtuung beinahe. Im weiteren Verlauf jedoch gesellte sich eine abgrundtiefe Abscheu hinzu.
***
Nach einer Woche heftigen Monsunregens, wütender Stürme und haushoher Wellen, die an der Westküste der Nordinsel Vanua Levu erheblichen Schaden anrichteten, ließ sich heute erstmals wieder für längere Zeit die Sonne blicken. Schüchtern lugte sie am Morgen zunächst zwischen dicken Wolken hindurch, verschaffte sich aber immer mehr Respekt, und gegen Mittag lagen die pazifischen Inseln im gleißenden Licht der Tropen. Einzelne Urlauber fanden sich am Strand zu ausgedehnten Spaziergängen ein, die sie in den letzten Tagen so sehnlich vermißt hatten. Es wehte eine sanfte Brise, die Armada der Palmenblätter an der Küste reagierte kaum darauf.
Von ferne war eine imposante Figur auszumachen, die sich gemächlich der Hotelanlage näherte. Barfuß schritt sie einher, an ihren Beinen konnte man Spuren von Attacken gewisser gestreifter Schwarmfische erkennen, die erst vor wenigen Tagen danach schnappten. Das Salzwasser hatte das seinige zur raschen Heilung beigetragen, außer eines schwachen Juckreizes während der Nächte spürte Grabow nichts mehr davon.
Die letzten 48 Stunden hatten bei ihm einiges bewirkt. Unterstützt vom prasselnden Regen, der auf die Dächer der dunklen Wohnanlagen hernieder fiel und sich in winzigen Strömen Richtung Pazifik ergoß, sorgten die tiefliegenden Wolkengebirge für seine düstere Stimmung, die auch der heutige klare Tag nicht hinwegwischen konnte. Der Flüchtige, der lange geglaubt hatte, hier auf den Fidschis vollkommen sicher zu sein, mußte sich eingestehen, daß dem nicht so war. Zu dicht stand die einheimische Justiz ihm auf den Zehen. Zwar nicht wegen seiner Verbrechen in Deutschland, aber immerhin. Die Angelegenheit mit dem Motorboot hatte er regeln können, der Japaner gab sich mit seiner Zusage zufrieden, daß er ein neues Boot erhalten würde. Wann dies geschehen sollte, stand noch nicht fest.
Viel mehr an Grabows Nerven zerrte die verschwundene Exotin. …
Diese Seite hat mir gefallen - weiter lesen ►
...war OK - weiter lesen ►
...sollte überarbeitet werden - weiter lesen ►
...war OK - weiter lesen ►
...sollte überarbeitet werden - weiter lesen ►
◄ zurück blättern
Beurteilen Sie den Text bitte fair.
Ihre echte Einschätzung hilft dem Autor seine Texte zu verbessern.
297 Leser seit 1. Jan. 2026 für diesen Abschnitt
Noch kein Kommentar zu dieser Seite.
Sei der Erste!
Ihre echte Einschätzung hilft dem Autor seine Texte zu verbessern.
297 Leser seit 1. Jan. 2026 für diesen Abschnitt
Noch kein Kommentar zu dieser Seite.
Sei der Erste!