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Das Blatt berichtete umfassend über die Fortschritte der Untersuchungskommission unter Richter Ewald Stark und dessen traurige Erkenntnisse. Über Kooperationen der Kliniken im ganzen Land war da zu lesen, über die daraus resultierenden Vernachlässigungen der Patienten bis hin zur Aktiven Sterbehilfe, wie der Kommentator zynisch bemerkte. Denn er meinte: Mord! Eine bemerkenswerte Reihe verantwortlicher Ärzte und Klinikleiter war inhaftiert, ebenso zahlreiche Juristen, die durch ihre Passivität diesem wüsten, diesem selektiven Treiben Vorschub geleistet hatten. Unter ihnen Frau Dr. Solveigh Hindemith. Hermann registrierte es mit Genugtuung. 
Viele Polizeibeamte zeigten sich gegenseitig an, manche sich selbst. Die meisten taten dies widerwillig, nur einige wenige aus Einsicht und Überzeugung. Erst nach und nach ließen sich Banker, die Chefs der Versicherungen und die Vorstände der Rententräger dazu bewegen, mit der Kommission zu kooperieren, um sie bei den Versuchen zu unterstützen, die horrenden Summen aus dem Ausland wieder zurück zu holen.
Bei den Banken ergab sich ein ziemlich klares Bild: Nachdem die Bundesregierung die ihr anvertrauten Gelder zur Börse getragen hatte, um Bank-Aktien zu kaufen – und ausschließlich solche Papiere wurden erworben - ließen die Banken die Kurse mit voller Absicht so weit in den Keller rutschen, daß für die Regierung beispielsweise von ehemals 100 Milliarden weniger als 10 übrigblieben. Bei immer neuen verzweifelten Versuchen des Finanzministers wiederholte sich das Drama. Irgendwann lieh sich die Regierung bei jenen Banken, die für den Kursverfall die Verantwortung trugen, neues Geld, um sich mit frischen Aktienpaketen zu versorgen. Im Anschluß waren von den Geldgebern große schwarze Zahlen durch kleinere ersetzt worden. Ein nicht enden wollender Teufelskreis war entstanden. 
Diese immensen Verluste vermochten die Finanzbehörden nicht auszugleichen, bis sie eines Tages absolut zahlungsunfähig waren. Was hierbei bezeichnend war: Auf seinen verschwenderischen Lebenswandel verzichtete trotz der katastrophalen Finanzlage keiner der Politiker. 
Der mittlerweile mächtigste Mann im Staate, Richter Stark, suchte beim Bundesrechnungshof und beim Bund der Steuerzahler Unterstützung und fand sie. Nachdem diese vernichtenden Zahlen vorlagen, entließ er das Parlament geschlossen, erntete dafür jedoch nicht nur Beifall. Man hielt ihm vor, den Staat unregierbar gemacht zu haben, was er mit dem Argument wegwischte, „besser einen zeitweilig nicht regierten Staat mit einem radikalen Neuanfang, als ein Chaos ohne Ende. …
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