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…  Aus dem Cockpit vernahmen sie leise Stimmen, man sprach englisch. Etwa alle 2 Minuten wurde die Ruhe durch eine Meldung unterbrochen. Dazwischen nervenaufreibende Stille. 
   Gerade wollte Lothar sich erheben, als ein Zittern erkennen ließ, daß die Maschine zu rollen begonnen hatte. Es war genau 3 Uhr 29, als der Kapitän die vier Strahltriebwerke der Boing 747 – 400 F auf Vollast stellte. Sie startete mit beinahe einer halben Stunde Verspätung.
 
   Immer wieder fielen ihre Blicke aus dem winzigen Fenster im vorderen Teil der Boing 747, aber sie sahen nur Schwärze. Eine quälende Unruhe befiel die beiden Passagiere. Als es gegen sieben Uhr dreißig noch immer nicht dämmerte, stand Bernd auf. Wohin flog diese Maschine tatsächlich?
„Es ist jetzt schon bald halb acht, und draußen ist es noch immer stockdunkel. Wie ist das möglich?“ fragte er Lothar besorgt.
Auch der Freund zeige sich ratlos und ließ sich von Bernds Sorgen anstecken. Da öffnete sich die Tür des Cockpits, der Kapitän brachte den beiden etwas Tee, ein kleines Frühstück und machte es sich bei ihnen gemütlich. 
„Wir sind ein bißchen verwirrt“, begann Lothar sofort, „weil es bereits so spät ist. Wo bleibt die Dämmerung? Wohin fliegen wir?“
„Auf Ihrer Armbanduhr ist es halb acht“, erklärte der Flugkapitän die Lage. „Wir fliegen gerade über den Indischen Ozean auf Java zu. Es ist halb fünf Ortszeit. So dicht am Äquator dauert es noch ein Weilchen bis zur Dämmerung.“
Die beiden Freunde verstanden nicht ganz. 
„Wir fliegen nach Westen und haben etwas Gegenwind. Unsere Reisegeschwindigkeit beträgt etwa 900 km“, fuhr der Pilot fort. „Deshalb werden wir noch eine geraume Zeit in der Dunkelheit fliegen.“ 
Nun erst erhellte sich Bernds Gesicht ein wenig. Die Erde drehte sich von West nach Ost. In einer Stunde war es hier halb sechs Ortszeit, dann waren sie aber schon wieder 900 km weiter im Westen, im Schatten, in der Nacht. Es war zwar nicht leicht, diese Zusammenhänge zu verstehen, ohne einen Globus vor Augen zu haben. Schließlich gelang es ihnen, unter Mithilfe des erfahrenen Flugkapitäns, sich den langen Flug durch die Dunkelheit als Folge der Zeitverschiebung und der Erdrotation zu erklären. Sie mußten sich mit dem Sonnenaufgang noch ein wenig gedulden.
„Wer fliegt denn die Maschine?“ wollte Lothar wissen.
„Das macht unser Autopilot“, antwortete der Kapitän ruhig und schaute ihn ein wenig desillusioniert an. „Meine Kollegen passen nur auf, daß alles nach Plan läuft. …
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