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…  Alle paar Meter legte sich der mächtige Schatten eines der zahllosen mannsdicken Kastanienbäume wie ein schwarzer Balken quer über die Fahrbahn. Starks Pupillen vollführten explosionsartige Eskapaden, an den Lamellenverschluß eines Fotoapparates erinnernd, zogen sich zusammen und weiteten sich sofort wieder, sobald die linksstehende Sonne das offene Verdeck traf.
   M erkannte den Saab des Richters augenblicklich. Er faßte das Gewehr und schaute durch das Fernrohr, kalt bis ins Mark. Der Wagen seines Opfers befand sich nicht alleine auf der Allee. Etwa hundert Meter hinter dem Richter folgte gemächlich ein Getränkewagen. Das störte M in keiner Weise. Er visierte den Kopf des Richters an, zielte eine Weile, und als die Entfernung stimmte krümmte sich sein Zeigefinger. 
Ein scharfes Klicken, mehr war nicht zu hören. M benutzte zwar immer einen Schalldämpfer, aber ein wenig mehr Lärm verursachte der schon. Was war geschehen? Der Schuß hatte sich nicht gelöst. Erneut zielte M auf den Kopf des Richters. Wieder klickte es nur.
Die Allee zog sich über mehr als 2 Kilometer hin, es verblieben ihm noch 400 Meter. M öffnete den Verschluß, die Patrone sprang heraus und landete auf dem Boden des Lieferwagens. Eine neue hielt er bereits in der Hand und steckte sie in die Waffe. Wieder suchte sein Blick den Mann im Cabrio. Der Saab schickte zwischendurch das reflektierende Sonnenlicht zum Schützen herüber, periodisch unterbrochen durch die Schatten der Kastanien. Es irritierte ein bißchen. Noch hatte der Richter über 400 Meter auf der Allee zurückzulegen, bevor sie in einer Rechtskurve endete. M blieb ruhig, gelassen fixierte er sein Ziel, der Finger krümmte sich zum dritten Mal.
   Das Kratzen im Hals war lästig, er brauchte ein weiteres Hustenbonbon. Stark schaute nach seiner Aktentasche. Sie lag auf dem Beifahrersitz, und er beugte sich hinüber, griff hinein, als er einen Schlag an seiner linken Schulter spürte. Erschrocken setzte er sich kerzengerade hinters Lenkrad, die Ursache des heftigen Schlages zu ergründen. Es könnte ein Vogel gewesen sein, dachte er, und ging etwas vom Gas. Aber er fand keinen Vogel im Fahrgastraum. 
Eher zufällig entdeckte er das Loch in seiner Windschutzscheibe, und plötzlich fühlte er den stechenden Schmerz. Seine rechte Hand tastete nach der verletzten Schulter, er zog sie wieder zurück, die Finger waren blutverschmiert. Ihm wurde schwindlig. Wie in Zeitlupe zogen die Kastanienbäume an ihm vorüber, Stark sackte zur Seite, sein rechter Fuß drückte das Gaspedal durch, seine Linke verfing sich im Lenkrad und drehte es nach rechts. …
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