„Nichts“, flüsterte Bernd, wissend, daß auch Lothar keinen Grabow entdeckt hatte.
„Laß ihn doch in seinem Versteck“, schlug Lothar vor, und hob ein wenig seine Stimme, „in Frankfurt greifen wir ihn. Wenn er nach der Landung zu fliehen versucht, wird er erschossen! Kopfschuß, aus, vorbei! Diesmal wird nicht lange gefackelt.“
Die letzten Worte sprach er betont laut, der von einem beständigen leisen Dröhnen erfüllte Frachtraum verstärkte sie und schickte sie in alle Ecken. Grabow mußte sie gehört haben. Nichts lag den beiden Suchenden ferner, als jeden Container einzeln zu durchforsten. Stattdessen gingen sie zielstrebig zurück zu ihren Plätzen im ersten Stock der Boing 747, setzten sich und widmeten sich dem restlichen Tee.
Lange brauchten sie nicht zu warten, bis sich zaghafte Schritte näherten und die Treppe heraufschlichen. Von den Piloten konnte es keiner sein, denn das Cockpit der 747 befand sich hier, im Obergeschoß. Lothar und Bernd hörten die Geräusche wohl und verhielten sich ausgesprochen desinteressiert, aber immens wachsam. Beinahe ängstlich stieg Rudolf Grabow die Stufen empor und blieb stehen, als er Bernd und Lothar ansichtig wurde.
In den Augenwinkeln beobachteten sie ihren Gefangenen, wie er zögerlich die letzten Stiegen nahm, die beiden Männer gewahr wurde, sich umsah, unschlüssig, was er als nächstes tun sollte.
Ohne ihn dabei anzusehen deutete Lothar mit ausgestrecktem Arm auf einen der freien Plätze. Grabow rührte sich nicht. Erst als Bernd unendlich langsam den Kopf wendete und ihn direkt anstarrte - den Mann, der verantwortlich war dafür, daß mehrere Millionen Rentner und Pensionäre ihr Leben lassen mußten, einschließlich seiner eigenen Frau, seiner geliebten Sabine, den Mann, der sich mit vielen Millionen ins Ausland abgesetzt hatte – erst da spürte Grabow: Sein makaberes Spiel schien in diesem Augenblick zu Ende.
Einen weiteren Schritt schob er sich auf die Sitzenden zu, keiner der beiden machte eine Bewegung, keiner zeigte sich in irgendeiner Form bedrohlich. Ein wenig schien Grabow beruhigt, wollte sich jedoch nicht neben seine ehemaligen Freunde setzen. Er befürchtete noch immer eine schmerzhafte Attacke.
„Wollen Sie bis Frankfurt stehen bleiben?“ fragte Lothar beiläufig und nippte an seinem Tee.
Auf dem Tablett standen mehrere Tassen, er nahm eine in die Hand, füllte sie mit dem inzwischen lauwarmen Getränk und schob sie zur Tischkante hin. Immerhin war Grabow ein menschliches Wesen, warum sollte man ihn verdursten lassen. …
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