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…  Nur eine bescheidene Anzahlung für diesen letzten Auftrag, wie Grabow bei seinem Hilferuf über den Wolken versichert hatte. 
Da dieser Auftrag bereits in die Wege geleitet worden war, führte Juri sofort nach seiner Heimkehr ein kurzes Telefongespräch; dabei wurde nur serbisch gesprochen. Sein Gegenüber redete wenig, hörte zu. Einige Male konnte Grabow ein einziges Wort verstehen, das wie Errmann klang, und er nickte zufrieden. Juri beendete das Gespräch.
   Erschöpft saß Grabow auf einem Stuhl, atmete hörbar aus und seine rechte Hand hielt das Täschchen fest umklammert, dessen Inhalt ihn als einen der reichsten Männer im Lande auswies. Es würde wohl einige Zeit dauern, bis er in Uruguay endlich an sein Kapital heran kam; aber er hatte Zeit. 
Sein derzeit dringlichstes Vorhaben war bereits im Gange. Spätestens nach zwei Tagen war alles erledigt. Spätestens.

***

   Der Kellerraum war düster, besaß nur ein winziges, dickes Milchglasfenster, die Wände bestanden aus rohen Ziegelsteinen. In einer Ecke lagen in einem Pappkarton alte Zeitungen. Der Wasserhahn nahe der Tür war eingerostet. Vergeblich versuchte Bernd, ihm ein paar Tropfen zu entlocken. Die Tür selbst war zwar ebenfalls verrostet, aber dennoch sehr massiv. Es schien aussichtslos, sie mit Gewalt öffnen zu wollen. Im Halbdunkel irrte Bernd umher, bis er über einen Werkzeugkasten stolperte. Blind wühlten sich seine Finger durch Rost und Stahl, verletzten sich an einer Drahtbürste, suchten aber unbeirrt weiter. Ein verstellbarer Schraubenschlüssel weckte seine Aufmerksamkeit, ein sogenannter Engländer, etwa 30 Zentimeter lang, ebenfalls verrostet. Bernd zog ihn heraus, hielt ihn fest, er lag gut in der Hand. Damit begab er sich zum Wasserhahn und drehte am festsitzenden Griff. Die Wasserleitung gab merkwürdige Geräusche von sich, blies jede Menge Luft hervor, bis endlich das erste Wasser erschien. Aber was für Wasser! Es hatte eine undefinierbare dunkle Färbung und roch entsetzlich. Bernd ließ den Hahn offen. Prüfte ab und an die Genießbarkeit, und nach einer geraumen Zeit kostete er davon. Es ging so leidlich. Seinen Durst konnte er stillen, nicht aber den Hunger, der sich allmählich bemerkbar machte. 
Bernd Roth überdachte noch einmal seine soeben erfolgte Entführung. Während der Fahrt hierher hatte es nicht eine einzige Chance gegeben, diesen Mann zu entwaffnen. Der hielt sich stets in ausreichender Entfernung, als wüßte er um Bernds Gefährlichkeit. …
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