Diesmal fiel Juris Besuch nicht auf ein Wochenende, am heutigen Abend wurde gearbeitet, eine der riesigen Autopressen war in Betrieb. Eine Unzahl, eine Flut von Altkarossen galt es zu beseitigen. Haushoch stapelten sich die Wracks übereinander.
Juri stieg nicht sofort aus, sondern drehte das Seitenfenster herunter und schaute sich um. Im Moment herrschte eine Ruhe, als hielte das Revier den Atem an. Arbeiter waren auf dieser Seite keine zu sehen, das Förderband stand still. Das kam Juri gelegen. Er wartete noch ein paar Minuten, dann öffnete er die Tür. Seine Begleiter taten es ihm gleich.
In seinem Sack war Bernd nicht untätig geblieben. Kontinuierlich hatte er an dem scharfen Blech gescheuert, bis das Klebeband, welches seine Hände und Füße zusammenhielt, durchgeschnitten war. Eine geraume Zeit hatte er so dagelegen und sinniert, ob er sich auch des Sacks entledigen sollte; darauf hatte er fürs erste verzichtet. Vom fahrenden LKW konnte er ohnehin nicht abspringen, das war zu gefährlich gewesen. Und wenn ihn seine Entführer auf der Ladefläche entdecken würden, ohne Fesseln, würden sie ihn erschießen wie einen Hund; so gut kannte er Grabow inzwischen. Also blieb er ruhig im Sack liegen, auch als der Wagen stehen blieb, und wartete auf eine günstige Gelegenheit. Von Hermann war nichts zu sehen.
Juri ging um den Laster herum, blickte nach allen Seiten, schließlich ließ er die Heckklappe des Kippers herunter. Von der Autopresse in seinem Rücken drangen vereinzelt schleifende, quietschende, dann wieder knackende oder splitternde Geräusch herüber. Dort wurde soeben die nächste ausgediente Karosserie in ein kleines, handliches Metallpaket verwandelt, auf ein langsam dahinfließendes Band gestoßen, und hinüber zu einem beeindruckenden Berg befördert. Vorübergehend kehrte Ruhe ein.
Juri überlegte ernsthaft, ob er seinen Plan aufgeben und umdisponieren sollte, so sehr fand er Gefallen an der Autopresse. Schließlich jedoch verwarf er diesen Gedanken wieder. Inmitten dieser Stille packte ein gigantischer fünfzackiger Greifer das nächste Wrack am Dach und ließ es in eine stählerne Kammer fallen, von einer gelben Lampe angestrahlt. Danach setzte der Mann an der Presse, der wegen des infernalischen Lärms Ohrenschützer trug, die Hydraulik in Gang. Fasziniert standen die drei in der Finsternis und sahen dem Schauspiel einige Minuten zu. …
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