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…  Es war nicht sehr hoch vom Fahrersitz bis zum Erdboden. Juri aber fiel wie ein Stein, und bevor er auf der Erde aufschlug ging Bernd in die Hocke und riß ihn mit sich herab, wie er es einst gelernt hatte, sodaß Juri mit seinem Gesicht ungebremst auf eines von Bernds Knien krachte. Er verlor augenblicklich die Besinnung, Blut schoß aus seiner Nase, zerschmettert landete die dicke Brille im feuchten, schmierigen Industriestaub. Bernds nächster Griff galt Juris Waffe, die er bereits beim ersten Kontakt gespürt hatte, und er zog sie entschlossen aus dessen Tasche. Die Waffe an sich nehmen und durchladen war eine Bewegung.  
  Für Grabow und Nadja war diese Aktion nicht unbemerkt geblieben, wie gelähmt standen sie neben der Heckklappe des LKWs und trauten ihren Augen nicht: Soeben noch waren sie Zeugen gewesen, wie am Himmel über dem Hochofen die Funken stieben, wie ihre beiden Widersacher sich in Rauch aufgelöst hatten, und nun stand einer vor ihnen, bewaffnet! 
Unaufgefordert hob Grabow die Hände weit über den Kopf, Nadja dagegen zog sich unendlich langsam zurück. Auf einmal ging sie das alles nichts mehr an. Abwehrend reckte sie ihre zarten Hände der Waffe entgegen, die zu benutzen Bernd gar nicht beabsichtigte. Er brauchte alle drei lebend! Obwohl er beim Betrachten von Grabows feistem Gesicht alle Selbstbeherrschung aufbringen mußte, um nicht durch das kurze Krümmen seines Zeigefingers eine vorzeitige, eine endgültige Entscheidung herbeizuführen. 
„Bleiben Sie stehen!“ rief er, das Zischen der Karosseriepresse im Hintergrund übertönend.
Hermann hatte ihm im Verlies ausgiebig von Nadja erzählt, aber Bernd sah diese Frau zum ersten Mal. Er vermutete es, aber er wußte nicht, ob sie etwas mit Grabow zu tun hatte. Der Umstand jedoch, daß sie hier anwesend war, daß sie alles mit angesehen und keinen Versuch unternommen hatte, es zu verhindern, machte sie zumindest mitschuldig. Außerdem hatte sie Hermann in die Falle gelockt. 
„Das ist ein Polizeieinsatz. Stehen bleiben!“ schickte Bernd ihr hinterher.  
Nadja jedoch ließ sich nicht beirren. Ihr Angesicht Bernd zugewandt, entfernte sie sich immer weiter vom Ort des Geschehens, wollte den tonnenschweren Wagen zwischen sich und den Mann bringen. Bernd gab einen Warnschuß ab, richtete die Waffe sogleich wieder auf die Frau. Aber selbst die drohende Gefahr erschossen zu werden ließ Nadja nicht innehalten. Sie lief rückwärts, bis sie gegen ein Hindernis stieß. …
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