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…  Inmitten dieses permanenten Vibrierens, dieses Schüttelns und Rüttelns dachte Bernd angestrengt nach. 
Was machte er auf diesem LKW? Wie er hier herkam, das dämmerte ihm bald. Im Geiste sah den Schrottplatz, sah sich in diesem düsteren Keller zusammensinken. Daraufhin mußten sie ihn in den Sack gesteckt und verladen haben. Wo aber war Hermann? 
Der ohrenbetäubende Lärm verursachte ihm jetzt Qualen. Und da war noch immer dieser stechende Schmerz in seinem Rücken. Bernd versuchte, sich mit diesem engen Sack zu drehen, dem spitzen Dorn zu entgehen und schaffte es irgendwann. Leicht war das nicht, aber nun ragte dieser Stachel ein wenig in den Sack hinein, zeigte auf seine Brust. 
Durch die weiten Maschen des Gewebes konnte Bernd seine Umgebung recht gut erkennen. Ihm war, als hätte er einen Pullover über seinen Kopf gezogen und schaute durch das Strickwerk, wie er es als Kind zuweilen getan hat. Es zeigte sich Altmetall, Stangen, Rohre, Bleche, mit und ohne Farbe, rostiges Eisen, blanker Stahl.    
Plötzlich durchzuckte es seinen Körper wie ein Messerstich: Ein Ofen! Dieser tanzende Derwisch Nico hatte damals in seinem stark alkoholisierten Zustand von einem Ofen gesprochen, von einem heißen Ofen, von einem großen … 
„Sie bringen mich zu einem Schmelzofen!“
Diese erschreckende Erkenntnis setzte Kräfte frei. Bernd hob beide Hände in Brusthöhe, drückte damit den Sack gegen das spitze Blech, im Nu war er an jener Stelle zerrissen, man konnte ungehindert hindurch sehen. Er befand sich inmitten von Tonnen knirschenden und quietschenden Schrotts. Ein Blick über die Seitenwände des Kippers ließ ihn ein Industriegebiet erkennen. Fabrikgebäude, Schornsteine, Altmetallberge, eben Industrie. Die Dämmerung brach herein.

   Ein wenig verwundert hatte der Pförtner dreingeschaut, als er die drei Personen im dunkeln Führerhaus des schweren LKWs sitzen sah, aber was ging ihn das an? Er kontrollierte die Papiere und ließ sie passieren. Rumpelnd schaukelte das Gefährt die unebene Wegstrecke entlang, wie ein Schiff bei entsprechendem Seegang, fuhr durch teilweise knöcheltiefe Pfützen, wurde abgebremst, wieder beschleunigt. Begleitet vom unkontrollierten Wackeln ihrer Köpfe wurden die Insassen im Führerhaus hin und her gestoßen, bis der Laster schließlich vor einem schmalen, kaum wahrzunehmenden Förderband zu stehen kam. Auf dem Firmengelände waren einige Lampen eingeschaltet und tauchten die stählernen Gerüste in eine finstere, unwirkliche Farbe. …
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