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…  Es dauerte nur wenige Sekunden, und der Schrott begann unter tosendem Gequietsche zu rutschen.
   Sobald das Band anfing sich zu bewegen, zerriß Bernd den Sack bis zu den Knien hinunter und kroch heraus. Dunkelheit umgab ihn, schwarze Nacht hüllte unten das Firmengelände ein. An wenigen Stellen nur wurde sie durch diffusen Lampenschein zurückgedrängt. Am oberen Ende des Bandes jedoch erstrahlte es wie ein apokalyptischer Sonnenuntergang! Bernd erschauerte. Im Grunde seines Herzens wollte er nicht glauben, was Nico ihnen erzählt hatte. Es erschien ihm absurd, mittelalterlich, barbarisch. Aber waren nicht alle Aktionen Grabows barbarisch gewesen? War er nicht selber ein Barbar? Wie anders sollte man sich sein Handeln sonst erklären.
Tief unten konnte Bernd den Laster stehen sehen, der lärmend seine eiserne Fracht ausspie. Bernd griff nach oben, fühlte den zweiten Sack, darin jedoch regte sich nichts. Hermann schien noch immer tief bewußtlos zu sein; wenn er denn noch lebte. Er besaß ein schwaches Herz, niemand wußte, wie er das starke Betäubungsmittel verkraftete. Bernd stieß ihn an, keine Regung. Eilig befreite er sich von den letzten Stoffresten, kniete jetzt auf dem schmalen wankenden Gummiband und machte sich ans Werk, mit bloßen Fingernägeln den zweiten Sack zu zerreißen und den Freund daraus zu erretten. Immer näher rückte der helle, der todbringende Schein der Hochofenöffnung. 
Wenige Augenblicke später war Hermann befreit, aber die ihn umgebende Finsternis hinderte Bernd daran, seinen Zustand zu ergründen. Leblos lag er vor ihm, reagierte nicht auf sein Schütteln, und mittlerweile trieben die beiden unaufhaltsam dem endgültigen, dem finalen Absturz zu. 
Von hier oben abzuspringen war unmöglich, es war viel zu hoch, sie würden sich zu Tode stürzen. Diesen Gedanken mußte Bernd begraben. Nur noch wenige Meter … Er versuchte, Hermann auf dem Band nach unten zu zerren, was ihm ganz gut gelang. Aber das Band bewegte sich etwas schneller nach oben, als er es mit Hermann abwärts schaffte, trotz aller Mühe. Schon glitt der erste der beiden leeren Säcke in den Feuerschlund hinab und schickte tausend Funken in den nächtlichen Himmel; die Untenstehenden registrierten es mit Genugtuung. Sekunden danach folgte der zweite. Noch drei kurze Meter …
Da faßte Bernd an seinen Hosenbund und zog den ‚Engländer’ heraus, der sich seit dem Frühstück dort befand. Akrobatisch kletterte er im Dunkeln auf dem schmalen Band über Hermann hinweg, weit wagte sich sein Oberkörper über den Rand des Förderbandes hinaus, er versuchte hastig, den verrosteten Schraubenschlüssel unter die Gleitmechanik zu klemmen. …
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