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…  Er hatte die ganze Nacht nachgedacht, doch es war ihm kein Ausweg eingefallen. Er musste unerledigter Dinge in das Scharmützel ziehen. Über die unliebsame Zeugin wussten nur Gaza und er selbst Bescheid. Würde er nun Leute ausschicken, um Tuja zu finden, würden sich unweigerlich Fragen nach dem Warum und Wieso erheben. Auch war er nicht sicher, selbst wenn er vertrauenswürdige Untergebene beauftragen würde, ob die Dame Tuja nicht seine Straftat ausplaudern würde und er dann in die Hand des Häschers geriete. Oft ging die Treue zum Herrn bei genügend Gold schnell verloren und derjenige, der Hatschepsut diese Nachricht überbringen würde, hätte sicher mit einer großzügigen Belohnung zu rechnen. Würde er doch, sollte die Königin nachweislich über seine Tat Bescheid wissen, erpressbar sein und die angestrebte Alleinherrschaft würde für ihn unerreichbar werden. Übernächtigt hatte er sich am Morgen erhoben und sich entschlossen, sobald er vom Kriegszug zurückkehren würde, sich persönlich um diese Angelegenheit zu kümmern.
                *
Als also der junge Pharao den Hof verlassen hatte, kehrte eine trügerische Ruhe ein und es war fast, als ob die alten Zeiten zurückgekehrt wären. In dieser Ruhephase hatte die göttliche Gemahlin wieder mehr Zeit für sich selbst. Daraus resultierte dass auch ihre, in der verzweifelten Zeit bis zur Krönung hinter ihren verwirrten Gefühlen zurückstehende, Neugier auf ihr Umfeld wieder geschärft wurde. So kam es, dass ihr bald auffiel, dass der Befehlshaber Sunu auffällig oft nicht anwesend war. Am Anfang sah sie darüber hinweg, da er ihr immer treu gedient hatte und sie ihm mehrfach ihr Leben schuldete. Sie hatte seit dem verhängnisvollen Bericht über ihren Bruder weder Hui noch Sunu zu weiteren Details gedrängt. Doch irgendwann siegte ihre weibliche Neugierde; auch hatte sie das Gefühl, dass Sunus Unruhe mit seiner Aussage am Krönungsmorgen zusammenhing und sie ließ ihn abends zu sich in ihre privaten Gemächer rufen. Nur Senmut, Hui und Geb waren anwesend. Zögernd betrat der Befehlshaber den Raum. Er konnte sich denken, dass seine häufige Abwesenheit der Königin nicht verborgen geblieben war und dass sie die Zusammenhänge erahnte; nun wartete er ergeben auf ihre Fragen. Sie erhob sich von ihrem Platz vor dem Spiegel und stellte sich vor ihn hin: „Nun, Befehlshaber Sunu, beehrst du deine Königin ausnahmsweise mal mit der Pracht deiner Anwesenheit? …
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