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… “ Sunu ergriff wieder das Wort: „Hoheit, wir haben die Soldaten hart rangenommen und herausgefunden, dass sie am besagten Abend noch wesentlich früher in die Kasernen zurückgekehrt sind. Man hatte ihnen nämlich Tänzerinnen mit Wein geschickt, die sie von ihrem Posten weglocken sollten. Auf ihre Fragen nach den Grund für die Geschenke wurden sie mit einem anonymen Wohltäter abgespeißt. Der Dienst in der Nekropole ist hart, unheimlich und eintönig; kein Wunder, dass die Wachen für jede Ablenkung empfänglich sind. Die Leute haben Angst vor Geistern und Dämonen in der Dunkelheit; deswegen drücken sie sich wenn möglich um die Nachtpatrouillen.“ Sunu versuchte die Wachen wenigstens ein wenig in Schutz zu nehmen und fügte hinzu: „Ich würde ein paar Söldner aus Keftiu und Kusch unter die Wachleute mischen; die haben einen anderen Glauben und fürchten die Dunkelheit nicht.“ Sunu unterbrach sich und fuhr dann zögernd fort: „Ich habe die Soldaten, welche an besagtem Abend Dienst hatten, einkerkern lassen. Entscheide du, Herrin Hatschepsut, was mit ihnen geschehen soll.“ Ruhig wandte er ihr den Blick zu. Sie hielt nicht in ihrem Auf- und Abgehen inne, schaute dem Leutnant nur kurz in die Augen. Sunu senkte den Blick. Er hatte erkannt, dass das Schicksal der Wachsoldaten besiegelt war.

Die Verbannung


In den nächsten Tagen schwirrte der Palast vor Gerüchten wie ein Bienenstock. Die Königin hielt sich, vor sich hinbrütend, die meiste Zeit in ihren Gemächern auf. Selbst Sunu bekam sie selten zu Gesicht. Dafür wurde Thut mit und ohne Gefolge sehr oft in Richtung von Gazas Räumen eilend erblickt. Anscheinend hielten die beiden Männer Kriegsrat ab, ob man den Befehl der Herrin beider Länder irgendwie umgehen könnte. Bald wurde jedoch klar, dass sie nichts gegen einen Befehl des Pharao ausrichten konnten. Thuts Wut und Haß auf seine Schwester steigerten sich noch – falls das überhaupt möglich war – in seiner Ohnmacht, seinem Verbündeten nicht helfen zu können. Die Priesterschaft stärkte ihm auch nicht den Rücken, da den Gottesmännern wenig daran lag, ob Gaza oder einer seiner Brüder das Amt des Wesirs bekleidete. So sah sich der zurückgesetzte Thronerbe außerstande zu agieren und bald sah man immer öfter Diener und Lakaien mit verschiedensten Gepäckstücken aus den Gemächern des Wesirs eilen und sie im Hof bereitstellen für den Abtransport.
                *
Für Sunu waren diese Tage die reinste Erholung. …
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