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…  Auf der anderen Seite, was würde er an seiner Stelle tun, wenn er wüsste, dass die Frau seines Herzens in diesem Augenblick unfreiwillig in den Armen eines anderen läge. Auch Sunu ließ es nicht kalt, dass seine von ihm innigst bewunderte Herrin über ihren Schatten springen und sich ihrem schwachen Bruder ergeben musste. Allerdings war sie für ihn doch mehr Herrin und göttliche Königin, als für den Baumeister. Auch wenn dieser es sich nicht anmerken ließ, so hatte Sunu durch die ständige Nähe zu Hatschepsut und ihren Anhängern, zu denen ja auch Senmut zählte, doch öfters den Ausdruck in des Architekten Augen mitbekommen. Dieser Ausdruck galt der Frau und nicht der Königin. Sunu wusste: auch wenn es Blasphemie war, als normaler Sterblicher eine Göttin zu begehren, die Liebe ließ sich nicht befehlen. Er konnte da aus eigener Erfahrung mitreden. Bei diesem Gedanken angelangt sah er sich suchend im Saal um. Nein, die Dame Tuja war immer noch nicht anwesend. Er hatte schon mehrmals die Menge überblickt, sie aber nicht entdecken können. Vielleicht war sie ferngeblieben, um Thutmosis nicht zu begegnen, verständlich wäre es, wenn sie ihm noch eine Weile aus dem Weg gehen würde. Senmut ging es ähnlich wie dem Befehlshaber; keiner von beiden wollte seine Räume aufsuchen und sich den schweren Gedanken über die Zukunft hingeben.

Lebendig begraben?


Die Nacht begann bereits der Morgendämmerung zu weichen. Sunu hob eben seinen Becher, um sich noch einmal Wein nachgießen zu lassen, als am Eingang zum Saal ein leichter Tumult entstand. Neugierig erhob er sich und entdeckte die junge Dienerin der Dame Tuja, Nefer, im Schlepptau von Tunip, seinem Schreiber. Anscheinend versuchten sie den Saal zu betreten, wurden aber von der Wache und einem herumfuchtelnden Zeremonienmeister aufgehalten. Sunu wurde sofort misstrauisch – etwas Ernstes musste passiert sein, wenn Tunip hier unangemeldet erschien und sicherlich hatte es mit der Dame Tuja zu tun, wenn Nefer bei ihm war. Er erhob sich sofort und bahnte sich einen Weg durch Essende, Trinkende und bereits Betrunkene zum Tor. Er schob den aufgeregten Meister des Anmeldens zur Seite und beschwichtigte die Wachen: „Ich kenne die beiden, sie wollen zu mir. Lasst mich mit ihnen reden.“ Sanft schob er die junge Frau vor sich her in den Flur, gefolgt von Tunip. Sie zogen sich an die Wand zurück, um den umherhastenden Dienern mit Speisen und Getränken und den ersten zu ihren Gemächern torkelnden Adligen auszuweichen. …
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